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Schwarzmahler

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Espresso und Tattoos.

Hobbys sind etwas schönes. Der eine spielt Fußball, sammelt Comics oder klebt Makkaronbilder. Heiko alias Mister Bean alias Schwarzmahler widmet seine Freizeit dem “Schwarzen Gold”. Sein Ziel: der perfekte Kaffeegenuss, aus biologisch korrektem Kaffee, direkt gehandelt.

Aus seiner Freizeitbeschäftigung entwickelte sich dann eine Geschäftsidee. Vor gut einem Jahr – gründete Heiko einen Onlinevertrieb für seine sehr eigen gerösteten Bohnen. Sein Kumpel, Christopher Holt – der für die visuelle Präsentation der Marke verantwortlich ist, bastelt an den Grafiken des Bohnenlabels.

Um herauszufinden was einen dazu antreibt den morgendlichen Schuss Koffein aus einer 37 Jahre alten, in Handarbeit gefertigten Handhebelmaschine, schweizerischen Fabrikats zu brühen, oder sich sogar das Motiv einer Kaffeetasse unter der Haut zu verewigen, habe ich die beiden Stuttgarter Heiko und Chris zu einem kleinen Interview eingeladen.

Chris, Heiko, stellt euch doch erstmal kurz vor.

Heiko: “Hi. Ich bin der Typ, der hinter Schwarzmahler steckt. Bin von Beruf her Sozialpädagoge, momentan 32 Jahre alt und wohne seit dem Jahreswechsel in Stuttgart.”

Chris: “Hallo, ich bin Chris, 31. Ich wohne in Stuttgart und arbeite in der Werbung.”

Könnt Ihr euch an eure erste Tasse Kaffee erinnern?

Chris: “Allerdings. Das liegt eigentlich nur daran weil es mir absolut nicht schmeckte. Ich muss auch zugeben, dass mir Kaffee bis heute nicht schmeckt. Vielleicht ist das auch der Abstand den man zu so einem Produkt braucht?! Meinen ersten Kaffee trank ich mit 13 auf einer Familienfeier zum Kuchen. War damals nicht mein Ding und dabei ist’s geblieben.”

Heiko: “Puh, wenn ich ehrlich bin kann ich mich nicht daran erinnern wo, mit wem und wann ich die erste Tasse Kaffee getrunken habe. Das muss schon 17 bis 18 Jahre her sein. Meine Eltern hatten damals noch eine Filterkaffeemaschine. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich bei Kaffeezubereitung schon immer recht eigen war. Ich habe die Milch immer zuerst in die Glaskanne der Filtermaschine gemacht, bevor der Kaffee durchgelaufen ist. Ich war immer überzeugt, dass es anders schmeckt, als wenn die Milch zum Schluss in der Tasse zugegeben wird. Haha, das fällt mir jetzt gerade erst wieder ein und ich sollte das noch mal probieren und schauen ob es wirklich so ist…”

Heiko, wann kam dir die Idee selbst Kaffee zu rösten?

Heiko: “Das ist ne lange Geschichte, aber eigentlich ganz einfach. Ich trinke gerne guten Kaffee. Lege seit vielen Jahren Wert auf meine Ernährung, bin deshalb auch schon 16 Jahre Vegetarier. Wie das eben so ist, wenn man ein Hobby hat, möchte man das auch richtig machen. Ich habe Anfangs mit einer kleinen Herdkanne Kaffee gemacht und den Kaffee gemahlen gekauft. Habe aber schnell gemerkt, dass es geschmacklich ein riesen Unterschied ist wenn man die Bohnen frisch selbst mahlt. Habe mir dann ne Mühle zugelegt.

Der nächste Schritt war der Kauf einer Siebträgermaschine. Das ganze steigerte sich bis dahin, dass meine damalige Freundin meinte ich sollte eine meiner Maschinen verkaufen, da wir keinen Platz mehr in der Küche hätten. Ich hab das zähneknirschend gemacht, die Kohle aber in einen Röster investiert, der nebenbei noch mehr Platz gebraucht hat. Inzwischen war ich an dem Punkt angelangt Kaffee aus kleinen Privatröstereien in ganz Deutschland zu bestellen und hatte schon sehr professionelle Maschinen und Mühlen zuhause. Ich hab mir einfach mal Rohkaffee bestellt und hab dann angefangen zuhause zu rösten und gemerkt, dass ich das ganz gut kann. Der eine oder andere Freund wollte nur noch Kaffee bei mir trinken oder von mir haben und ich kam sehr schnell an den Punkt, dass ich die Mengen selbst nicht mehr in meinem kleinen Haushaltsröster bewältigen konnte um meinen Freundeskreis zu versorgen. Gleichzeitig war ich auf der Suche nach wirklich Fair gehandeltem Rohkaffee und habe zufälligerweise Pingo von Quijote aus Hamburg kennengelernt. Er hat sich ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wie ich selbständig gemacht und ist ein sehr erfahrener Röster. Pingo wollte genau die Ware anbieten, die ich gesucht habe. Er hatte super Verbindungen nach Südamerika und war gerade dabei eine Kooperative aufzubauen. Endlich hatte ich die Möglichkeit nachhaltigen, qualitativ exzellenten Kaffee anzubieten und habe mich damit als Nebengewerbe selbständig gemacht.

Inzwischen ist es so, dass ich immer noch mit Pingo zusammenarbeite. Er röstet meinen Kaffee nach meinen Röstprofilen und Vorgaben für mich. Anders könnte ich die Mengen gerade nicht bewältigen, da Kaffeerösten beziehungsweise die Zulassung hierfür ne ganze Menge an Kosten und Behördengalama mit sich bringt. Schwarzmahler ist leider noch zu klein für diese Investitionen und ehrlich gesagt genieße ich es auch Schwarzmahler als Nebengewerbe betreiben zu können, da es mir dadurch auch ermöglicht wird meinen Weg zu gehen und nicht immer Kompromisse eingehen zu müssen.”

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Ich mag den Namen und das Logo. Chris, willst du dazu ein paar Worte verlieren?

Chris: “Heiko kam gleich am Anfang seiner Unternehmensgründung auf mich zu und erzählte mir von seinem Vorhaben. Es war natürlich ein perfekter Zeitpunkt, da noch nichts grafisches vorlag und ich somit die Chance hatte alles selbst zu definieren. Damals stand noch der Name Doomsayer im Raum. Mir gefiel die deutsche Variante “Schwarzmaler” viel besser. Der Rest war ergab sich von selbst.

Es war der Wunsch von Heiko ein illustratives Logo zu haben und ließ mir freie Hand. Ich bin großer Fan von Solomon Amstutz, angryblue, Florian Bertmer und Justin Bartlett. Deshalb haben sie momentan Einfluss auf meine Art zu illustrieren. Die Krähe verkörpert für mich wunderbar einen Schwarzmaler und sie sollte böse aussehen. Das ganze Signet ist digital entstanden (Apfel+Z rulez) auch wenn die ersten Skizzen auf Papier entstanden.”

Besonders schön finde ich auch die Beschreibungen der Kaffesorten im Geschmack “feine Säure, viel Körper, beerige Frucht, samtig“. Heiko, denkst du dir das aus oder ist dies offizielles Kaffee-Jargon?

Heiko: “Inzwischen bestellen viele Kaffee-Nerds bei Schwarzmahler, die sich auch ganz gut mit Kaffee auskennen. Wenn man sich ne Weile lange mit Kaffee beschäftigt kann man feine verschiedene Nuancen der einzelnen Röstungen rausschmecken. Das ist ähnlich wie bei Weinen. Der Geschmack von Weinen wird anhand eines “Aromarads” bestimmt. Beim Kaffee ist das nicht anders. Ich habe mich daher mit meinem Röster zusammengesetzt und ein “Geschmacksprofil” für meinen Kaffee entworfen. Bei Schwarzmahler wird Transparenz groß geschrieben und das betrifft eben auch den Geschmack. Vielen reicht es nicht aus, wenn der Kaffee mit “stark” oder “schokoladig” beschrieben wird. Neben den Geschmacksbeschreibungen haben wir auch Infos zur Rohbohne und Zubereitungsempfehlungen für die einzelnen Sorten auf unserer Homepage. Jedes einzelne Produkt im Sortiment von Schwarzmahler hat seine Berechtigung und unterscheidet sich von den anderen. Wir wollen damit ganz einfach gesagt die Unterschiede der einzelnen Kaffees zeigen.”

Was ganz anderes: Schon mal Kopi Luwak getrunken?

Chris: “Ist das noch vegan? Nein.”

Heiko: “Nope. Ehrlich gesagt hab ich vor Jahren schon mal mit dem Gedanken gespielt mir mit Freunden Kopi Luwak zu bestellen, da dieser Kaffee als Delikatesse verkauft wird und man ja als Kaffee-Nerd alles mal probiert haben sollte. Ich habe mich allerdings vor der Bestellung ausreichend informiert und habe festgestellt, dass inzwischen Kopi Luwak “künstlich” hergestellt wird. Das soll heißen, dass diese “Viecher” die den Rohkaffee fressen und wieder ausscheiden aufgrund Profitgier inzwischen in Käfigen gehalten werden und nur Kaffeebohnen zu fressen bekommen. Und zwar alles andere als Artgerecht. Beim Handel von Kopi Luwak konnte ich leider keinen “vertrauensvollen” Händler finden, der garantiert “natürlich” hergestellten Kopi Luwak vertreibt, sodass ich mich relativ bald von diesem Gedanken verabschiedet habe. Wenn ich mit etwas Abstand darüber nachdenke finde ich es ehrlich gesagt auch nicht mehr besonders appetitlich etwas mit heissem Wasser aufzubrühen und zu trinken, das durch den Darm eines Tieres gewandert ist.”

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Zum Schluss möchte ich noch gern wissen: Was verbindet Tattoos mit Kaffee?

Chris: “Tattoos haben ab einer gewissen Anzahl bzw. Platzierung plötzlich eine Sonderstellung in der Gesellschaft. Letztendlich sucht doch jeder nach seiner ganz eigenen Definition seines Ichs. Die einen über Statussymbole, die anderen über Tattoos. Schwarzmahler bietet jedem Mensch die Möglichkeit seinen ganz individuellen Kaffee zu trinken und sich eine Sonderstellung, durch die Besonderheit, zu sichern. Aus Werbersicht könnte das auch für weiteres ganz geile Key Visuals geben.”

Heiko: “Also für mich sind Tattoos Leidenschaft, Lebensphilosophie und stehen für Individualismus. Ich selbst bin ganz schön zugehackt und es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen darauf reagieren, wenn sie mich schon Jahre kennen und mich plötzlich das erste Mal im Thermalbad sehn. Fast immer kommt eigentlich der Spruch “DAS hätte ich von Dir nicht gedacht…”. Das übliche eben. Tattoos machen Menschen individuell, lösen das Individuum in gewisser Weise auch vom Uniformismus ab und irgendwie sind sie auch ein bisschen “wild” und “rebellisch”. Schwarzmahler ist genauso individuell wie Tattoos oder die Menschen die sich dahinter verbergen. Mir hat die Idee ganz gut gefallen, weil ich großen Wert darauf lege, dass guter Kaffee kein “Alte-Leute-Zeugs” ist. Das unterscheidet Schwarzmahler auch von anderen Röstern oder Kaffeehändlern. Wir machen nicht irgendwas das der Markt erfordert, sondern wir machen unsere Produkte so wie wir sie mögen und sie für richtig halten. Entweder die Leute mögen das, oder eben nicht, aber wir werden auch in Zukunft individuell bleiben. Das heißt nicht, dass unsere “Zielgruppe” (ich hasse dieses Wort) nur tätowierte und junge Menschen sind. Wir sind einfach anders als andere und bieten farbigen Kunstwerken einen Platz auf unserer Homepage.”

Vielen Dank für eure Antworten. Ich werde mir auf jeden fall mal eine Packung Schwarzmahler-Esspresso gönnen. Und freue mich darauf zu hören wie sich das Projekt in den nächsten Jahren entwickelt. Euch zwei viel Glück und Erfolg in der Zukunft.

Schoenhaessliche Grüße Johannes


www.schwarzmahler.de
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Johannes Eich (27) Art Director und Publizist. Steht auf Gin und Altbau. Internetsüchtig im fortgeschrittenen Stadium. Wischt sich mit Hipstern den Arsch ab. Ist selbst einer.

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3 Comments
  • Nicole sagt...

    hast dem ,,schwarzmahler,, mal deine kaffee-sack-tasche gezeigt?! ^^

    • Johannes sagt...

      muss ich mal machen :)

  • Gerrard sagt...

    Sehr coole Kombination. Gerade grafisch bieten sich hier doch richtig tolle Möglichkeiten. Da kann man sich schön vom gängigen Einheitsbrei distanzieren.

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