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3096 Tage

Review Film

Oder: 3096 Zeichen – Eine unterirdische Review

Unsere große Klappe ist dem Publikum weitestgehend bekannt. Wir werden auch für diesen vorliegenden Film nichts an dem WIE ändern. Kurz erwähnt werden, muss aber dass sich die folgende Rezension einzig und allein auf den Film 3096 Tage bezieht. Weder wurde das Buch gelesen, noch liegt es in unserem Interesse die Person der Natascha Kampusch irgendwie bloßzustellen.

Story

Kleines Mädchen wird auf Schulweg von Nachrichtentechniker mit Psychoallüren gekidnapped und die titelgebenden 3096 Tage festgehalten. Anfangs in einen Kellerraum gezwängt, entwickelt sich eine abartige Abhängigkeit zwischen dem Mädchen und dem Entführer, in dessen Zuge Nataschas Willen immer weiter gebrochen wird.

Review

Filme wie dieser hier sind keine einfache Kost für Rezensenten. Weder möchte man dem tatsächlichen Opfer zu nahe treten, noch Samthandschuhe anziehen. Schon ein paar Minuten nach Filmstart fällt dem deutschen Betrachter die Synchro auf, welche streckenweise an Amateur-DVD-Dubs aus dem Trashsegment erinnert. Die Tatsache dass auf englisch gedreht wurde, war sicherlich dem Umstand geschuldet, dass man den internationalen Marktwert heben wollte. Das filmische Handwerk ist zweifelsohne nicht verkehrt. Auch wenn das Close-Up inflationär gebraucht wird, vermittelt die gelegentliche Handkamera eine gewisse Authentizität. Der Soundtrack existiert quasi nicht. Effekthascherei kann man den Machern defakto nicht vorwerfen, wäre da nicht Thure Lindhardt alias Wolfgang Priklopil dessen Mission es war, den Film mit ungewollten Peinlichkeiten zu füllen. Egal ob nun ein Gesichtsausdruck bei dem man denkt „Jawoll – der hat schlecht geschlafen.“, oder einem Bewegungsreportoire dass es einem graust – Priklopil soll hier als manisch-psychopatischer Entführer mit ungeheurer Grausamkeit skizziert werden, verkommt aber in Lindhardts Interpretation zu einem Pfeifenzeisig erster Güte, den man nach 20 Minuten lieber gemütlich, mit dem Gesicht voran, in die Wand massieren möchte als auch noch eine Sekunde länger anzuschauen. Ab und an steigt die Schamesröte ins Gesicht, z.B. wenn man an einer vermeintlich emotionalen Szene anfängt zu schmunzeln – ganz einfach weil das Schauspiel von Pseudo-Entführer und Kellerkind nichts anderes hergibt.

Interessanterweise waren außer uns auch nur Frauen – offensichtlich Mitte 40 oder oft feiern – im Kinosaal die jede Brutalität Priklopils, postwendend mit einem Spruch a`la „..wehr dich doch Mädchen“ quittierten. Ein wunderbares Beispiel für die Kernaussage und das Fazit dieser Review.

Fazit

3096 Tage zieht seine Daseinsberechtigung allein aus der Tatsache, im jüngeren Kriminalmillieu zu spielen. Von der Buchvorlage abgekapselt hätte aus der Idee vielleicht ein spannendes Thriller-Drama werden können. So versumpft er in Schauspiel mit zu viel Pathos.

Arglistiges Machwerk, dass Zuschauern Emotionen entlocken möchte, in dem es krampfhaft versucht die Wirklichkeit abzubilden, und dabei die Möglichkeiten des Medium Films vernachlässigt.

In diesem Sinne,

kellerkindrettendes Cheerio und viel Spaß bei Eurem nächsten Film

Euer Robert

Robert
Ein Beitrag von Robert

Journalistik-Student mit Cinemacke. Erfolgloser Poet, teilbegabter Schreiberling, amateurhafter Filmemacher, schlechter Financièr, glücklich deprimierter Single, phlegmatischer Wirbelwind und fauler Wannabe-Streber.

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