Published on // By Robert

Feuchtgebiete

NSFW Film

oder:
Penis, Möhre, Vagina: Der Avocadokern des Deutschen Films

„Ficken“ wird in diesem Film (übrigens auch im Buch) weniger oft gesagt, als man es erwartet. Und damit herzlich willkommen bei der schoenhaesslichen Kritik zu Feuchtgebiete, DEM ausgewiesenen Skandalfilm des Jahres, nach dem gleichnamigen Skandalroman eines anderen Jahres, geschrieben von Skandalnuschelschnute Charlotte Rochè. Nachdem in anderen Kritiken solch Wortkombination fielen wie: „erotisch-heitere Komödie mit ernstem Hintergrund“ (ARD) oder auch „es hätte der Verfilmung dieses Romans nicht bedurft“, wollten wir Euch mal eine ernstzunehmende Rezension zu diesem Film präsentieren – eine Rezension, genauso feucht und glitschig wie der Film selber!

Story

Scheidungskind und Hygieneteenierebellin Helen Memel (sexy Wuschelkopf Carla Juri) landet im Krankenhaus, nachdem sie sich bei der ungeliebten Intimrasur den Arsch aufreißt – buchstäblich.

Mit frischer OP-Narbe zwischen den Backen lässt Helen den Zuschauer an einigen ihrer Lebensweisheiten und Eskapaden teilhaben und versucht ganz nebenbei ihre Eltern wieder zu versöhnen. Dabei sind ihre Erzählungen auf allerlei gesellschaftlichen Tabubrüchen aufgebaut.

Review

Pfui. Ganz ganz olles Pfuibaba, macht der David Wnendt da. Und das soll er schließlich auch, denn seine beste Promotion bekommt Feuchtgebiete letztendlich durch den Umstand, dass er auf dem sogenannten Skandalroman von Charlotte Roche basiert. Doch auch wenn der Film auf Plakaten, im Trailer und überall sonst damit prahlt auf dem gleichnamigen Roman zu basieren, versuchen wir einfach mal den Film losgelöst vom Roman zu betrachten.

Was gibt uns Kriegerin-Regisseur David Wnendt da aufs Zelluloid? Fäkalkomödie? Coming-Of-Age-Drama? Softporno? Hobby-YouPorner werden sich wundern/freuen, dass für ein 16er Rating erstaunlich freizügig inszeniert wurde. Brüste und Popos – Fans von sekundären Geschlechtsmerkmalen kommen voll auf ihre Kosten. Und das merkte man auch im Saal. Da die Teeniehühner jedes mal kicherten, wenn „Muschi“, „Schwanz“ oder „Sperma“ zu hören waren, verwandelte sich der Kinosaal in der ersten Hälfte des Films in einen glucksenden Hühnerstall. Unterdessen waren die Reaktionen des älteren Semesters um uns herum wesentlich interessanter. Während bei jungen Paaren das Männchen mit verklemmter Miene (ca. 5 saure Drops im Mund) das Geschehen verfolgten, verfolgten die Weibchen stattdessen angespannt die Reaktionen ihrer Männchen – vielleicht um zu überprüfen wie toll ER das eigentlich doch findet.

Egal ob Helen nun die Lanze eines potentiellen GV-Anwärters poliert, die Gemüsesuppe in der Badewanne vergewaltigt, sich von einem Arbeitskollegen zum ersten Mal den Intimbereich rasieren lässt – während dieser nichts außer einer Stirnlampe trägt – oder den heißgeliebten Avocadokern dahin schiebt wo die Sonne nicht scheint: Carla Juri baut pö-a-pö einen frechen Sexappeal auf, der zu großen Teilen auf das Drehbuch (und damit ist explizit NICHT die Romanvorlage gemeint) zurückzuführen ist. Im offenen Patientenkittel durch die Krankenhausflure zu skaten ist ebenso speziell wie dem liebäugelnden Krankenpfleger Robin die erste lesbische Bordell-Erfahrung näher zubringen. Und während das alles bestimmt einen gewissen voyeuristischen Reiz hat, kommen natürlich auch Szenen die einem den einen oder anderen Gesichtszug entgleisen lassen bis hin zu einigen WHAT THE FUCK – Bildern, welche teils der Story, teils auch einfach der Provokation dienen. Ja, wir geben zu: Schwache Gemüter schauen bestimmt einmal häufiger weg, anstelle zu lachen, aber come on: Sperma auf Pizza? „Kack mir auf den Bauch“? Jede Sendung von Jürgen Domian würde ein fieseres Hörbuch abgeben.

Interessant und ganz anders als erwartet sind die Bilder, in denen Feuchtgebiete an Wnendts Debüt Kriegerin erinnert. Ruhige – fast stumme – Close Ups in Zeitlupe wirken verträumt, schön und lassen die Ekeleskapaden fast aus dem Gedächtnis verschwinden. Alptraumsequenzen a`la Requiem for a Dream und Trainspotting lassen die Stimmung völlig kippen und machen klar, dass die Probleme von Helen Memel ganz und gar nicht in ihrer Hygiene oder ihrem experimentierfreudigen Sexualtrieb mit Wurzelgemüse liegen, sondern in Dingen die so menschlich sind, dass es im Prinzip recht banal ist.

Fazit

Feuchtgebiete ist alles andere als ein Skandalfilm. Die Taktfrequenz der Nackedeibildchen ist allenfalls höher als gewohnt und Menstruationsblut im Gesicht ist jetzt vielleicht nicht jedermanns Gusto. Kreative neue Verbindungen hingegen werden zu Lebensmitteln hergestellt. Bravo. Im Endeffekt ist David Wnendts Werk nicht von schlechten Eltern. Wenn man sich durch die Schichten aus Fäkalhumor und voyeuristischen Softpornosequenzen gekämpft hat, bekommt der geneigte Seher – mit belastbarem Magen – ein buntgemischtes Coming-Of-Age-Drama kredenzt, welches, losgelöst von dem ganzen Skandalkillefitz, durchaus anschaubar ist und die Grenzen des Deutschen Films in eine ganze bestimmte Richtung ausloten.

…oh…und Musik…soooo viel Indie-Musik.

In diesem Sinne,
poritzenerkundendes Cheerio und viel Spaß bei Eurem nächsten Film

Euer Robert

Musik

Robert
Ein Beitrag von Robert

Journalistik-Student mit Cinemacke. Erfolgloser Poet, teilbegabter Schreiberling, amateurhafter Filmemacher, schlechter Financièr, glücklich deprimierter Single, phlegmatischer Wirbelwind und fauler Wannabe-Streber.

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2 Comments
  • Ich sagt...

    Son scheiss Review zu son scheiss Film!

  • Robert sagt...

    Wenigstens verschwendet der Freund hier keine überflüssige Zeit mit Grammatik. Gut so. Wird eh überbewertet. ;)

Feuchtgebiete