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Mama

Review Film

Oder:

Mama go home – you`re drunk!

Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein…und so weiter. Das ständig gefeierte Multi-Talent Guillermo Del Toro – der sich auch für das Shrek-Spin Off Der gestiefelte Kater nicht zu schade war – schnappte sich den Kurzfilm Mama und bastelte einen gleichnamiges Kinofilm drum herum. Geile Idee. Bereits mit Mimic, Blade II (!), Das Waisenhaus oder jüngst Don`t be afraid of the Dark zeigte er, dass Ihm das Leuteerschrecken sichtlichen Spaß macht. Für alle die noch drei Minuten mehr Zeit haben, gibt es unter diesem Review den YouTube-Link zum original Kurzfilm. Für euch haben wir uns mutig in eines unserer Stammlichtspielhäuser begeben, die Hände in den Schoss (des Nachbarn) gepackt und wissen nun schoenhaessliches zu berichten…

Story

Zwei verwilderte (Waisen)Kinder. Ein tödlicher, mieser, fieser Rachegeist. Ein toller Onkel samt punkrockender Lebensgefährtin, welche sich mit dem neuen Zuwachs nicht anfreunden kann.

Ein verzweifelter Vater tötet seine Frau. Danach schnappt er sich seine zwei Töchter – Victoria und Lilly – donnert über die vereisten Straßen nur um im Eifer des Gefechts einen Unfall zu bauen. Die drei überleben und schleppen sich zu einer kleinen Hütte im Wald. Der Vater – jetzt wohl noch verzweifelter – will seine Kinder auch noch über den Jordan schicken wird dabei aber uplötzlich von einer dunklen Gestalt weggerissen. Fünf Jahre später findet der Onkel der Mädchen die beiden wieder, adoptiert sie fix und holt sich damit nicht nur zwei anstrengende Gören ins Haus (Kaspar Hauser lässt grüßen!), sondern auch die titelgebende Mama. Oops.

Review

Wer den Kurzfilm schaut ist begeistert. Kurz und knackig. Gruselgestalt. Yeah. Regisseur (auch vom vorliegenden Langspielfilm) Andrès Muschietti hat einen Sinn für Mainstreamgrusel. Das ist auch durchaus gar nicht abwertend gemeint. Es gibt eine Grund weshalb Filme wie The Ring und co. erstes Mittel der Wahl sind, wenn es darum geht einen „Bock auf einen Horrorfilm“-Streifen zum ersten Date ins Spiel zu bringen. Kaum steigt das Brunnenmädchen unter TV-Flimmern aus dem Flatscreen (The Ring) schmeißt SIE sich an IHN. Rachegeister haben Hochkonjunktur. Rein technisch gibt es an dem Streifen nichts zu bemängeln. Die Kamera gefällt einem gut. Ruhige Bilder werden – genretypisch – recht ausufernd zelebriert bevor dann der Plan-Schock über einen hereinbricht. Der Kontrast wurde im Colorgrading wohl um 50% runtergeschraubt (logo, muss ja düster aussehen!). Wer jetzt die grandiose Idee hatte, selbst die Kinder am Anfang CGI-unterstützt, möglichst unnatürlich, durchs Bild huschen zu lassen weiß ich nicht – bei uns führte das zu dem Effekt, dass man im ersten Drittel noch dachte, die Blagen seien besessen oder dergleichen. Die Mama hingegen macht die erste Hälfte des Films eine gute Figur. Zerfetzt den leiblichen Vater, schubst den Onkel vom Geländer und terrorisiert die Punkrocktante ordentlich. Alles gut. Im Fünf-Minuten-Takt gibt’s was zu „huch“en und „ahhuuhhiihh“en und plötzlich passiert es: Der Film wird del Toro-risiert. Es reicht nicht, dass die Kinder einen an der Krone haben und lieber mit `ner Toten kuscheln, als mit Annabel (Jessica Chastain) – nein, die Tote muss auch noch ein total tragisches Leben gehabt haben. Schon bei Das Waisenhaus wurde ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt. Das gleiche passiert hier wieder. Mama tauscht den soliden Gruselfaktor gegen CGI-Herumfliegerei und eine mitleidige Geschichte ein – obgleich auch diese durchaus ansprechend gefilmt wurden.

Fazit

Leckeres Grusel-Menü: Leckere Figurenexpositions-Vorspeise. Hervorragender Hauptgang inklusive diversen Klößen im Hals. Die CGI-Beilage wirkt etwas fad und lieblos. Der letzte Gang mit „WirZeigenDenGeistInVollerPracht“-Dessert ist leider völlig versalzen von der ganzen Heulerei.

Ein durchaus attraktiver Streifen, welcher vor allem in der ersten Hälfte viele Schauwerte besitzt.

In diesem Sinne,
elternterrorisierendes Cheerio und viel Spaß bei Eurem nächsten Film

Euer Robert

Original Kurzfilm:

Robert
Ein Beitrag von Robert

Journalistik-Student mit Cinemacke. Erfolgloser Poet, teilbegabter Schreiberling, amateurhafter Filmemacher, schlechter Financièr, glücklich deprimierter Single, phlegmatischer Wirbelwind und fauler Wannabe-Streber.

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