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Red Dawn

Review Film

Oder: Sie kamen als Kinder und gingen als Chris Hemsworth!

1984 inszenierte Regisseur John Milius ein filmisches Kind des kalten Krieges. „Red Dawn“ (dt. „Die rote Flut“) war eine Art „Breakfast Club“ mit Dritter-Weltkrieg-Gerüst. In diesem Streifen trafen auch Jennifer Grey und Patrick Swayze das erste Mal aufeinander. Danach waren Sie zwar einander so sympathisch wie Schlange und Kaninchen, für „Dirty Dancing“ reichte es aber allemal noch aus. Die deutschen Kritiken fielen schon bei dem Original gemischt aus. Meist bemängelten sie, dass die abstrakt-verdrehte Story, um ein, durch Kommunisten besetztes, Amerika, „offensichtlich zur moralischen Aufrüstung gedacht“ war. Immerhin schaffte der Streifen es ins Guiness-Buch der Rekorde für die meisten Gewaltszenen in einem Film. Glückwunsch!

Ende letzten Jahres kam das Remake „Red Dawn“, mit Chris „Thor“ Hemsworth in der Hauptrolle, in die deutschen Kinos. Wir haben uns für Dich an die filmische Front begeben um zu checken wie schoenhaesslich der Streifen wirklich ist.

Story

Alles ist plötzlich anders im Städtchen Spokane, Washington. Die Stadt wird von nordkoreanischen Truppen besetzt. Am Himmel erscheint ein Gewirr aus Fallschirmspringern und Bomben. Am Boden werden schnell die Grenzen abgeriegelt. Jed (Chris Hemsworth), ein Soldat auf Heimaturlaub, handelt instinktiv, rottet so viele Jugendliche um sich wie nur möglich und flieht in die angrenzenden Wälder. Dort sieht er sich mit mehreren Problemen konfrontiert. In Rekordzeit muss er seine unfreiwilligen Rekruten zu Soldaten ausbilden. Unter diesen befindet sich auch sein kleiner Bruder Matt. Und eben jener neigt, seit der Entführung seiner Freundin, zu Alleingängen, welche die gesamte Gruppe – selbsternannte „Wolverines“ – in Gefahr bringen.

Review

Nordkorea boooh! Genau diese Message versprüht der Film von der ersten bis zur letzten Minute. Das amerikanischer Mainstream gerne mal eine extra Scheibe Patriotismuskäse auf ihr Filmsandwich packt ist weitestgehend bekannt – siehe „Transformers“ oder „Iron Man“. Aber „Red Dawn“ erreicht dabei eine neue Dimension. Das arme kleine Amerika wird besetzt. Böses Nordkorea – ganz, ganz böse! Gerade noch schreit der Papa (übrigens der Sheriff der Stadt) „…bringt diese Schweine um!“ schon sinnen Sohnemann #1 und #2 auf Rache und bringen solch heiteren Schabernack wie „Krieg ist hässlich – aber jetzt macht er ein wenig mehr Sinn!“ zu Gehör. Mono- und Dialoge dieser Art beglücken Dich über die vollen 94min. Eine Exposition fehlt hier im Prinzip völlig. Wer, was, warum. Alles egal. Hauptsache alle Häuserwände sind mit „Wolverines“ getagged, „Ein Marine und sein Gewehr ist die gefährlichste Waffe“ (!) und Chris Hemsworth darf alle vier Minuten so dramatisch wie irgendwie möglich an der Kamera vorbei starren. Dabei ist „Red Dawn“ solide inszeniert. Auf Slowmotion wird komplett verzichtet und die in Gefechtsszenarien verwendete Handkamera verleiht dem Ganzen einen halbdokumentarischen Anstrich. Regisseur Dan Bradley weiß wie man es krachen lässt. Seine Wurzeln als Stunt-Coordinator merkt man ihm deutlich an. Seine Unerfahrenheit auf dem Regiestuhl leider auch. So verfällt er immer wieder in vorhersehbare Muster. Pathetischer Dialog in einer Halbnahen – Action – Tod. Ironischerweise ist die interessanteste Figur die des nordkoreanischen Captain Cho. Er wirkt authentisch und schnell ertappt man sich dabei wie man mit ihm schneller sympathisiert, als mit der völlig überdrehten Teenagerrotte. Die eine oder andere Nebenrolle wird man wiedererkennen. Jeffrey Dean Morgan („Watchmen“ als The Comedian) darf sich munter durchs Bild ballern und Josh Peck („Drake & Josh“) legt ein Overacting als kleiner Bruder des Protagonisten hin, dass der arme Zuschauer nicht weiß ob er schrill lachend den Kopf in den Popcorneimer stecken soll, oder doch lieber apathisch heulend mit einer Kalashnikov auf die Leinwand schießen. Sobald das abgehackt wirkende Ende vorüber ist und die Credits über die Leinwand marschieren ist man froh – froh dass einem das Gehirn nicht vorher schon wegen akuter Unterforderung den Dienst versagt hat.

Fazit

Und wieder beweist Amerika dass es ein verzerrtes Rollenverständnis hat. Ein vor Patriotismus triefendes Machwerk, welches vor allem daran krankt sich in Selbstgefälligkeit zu ertränken. Die durchaus ansprechende, harte Ästhetik ist leider nur genießbar wenn man entweder den Ton oder sein Gehirn ausschaltet.

Fans des Videospiels „Homefront“ könnten ihren Spaß dran haben die zahlreichen Parallelen zu entdecken – dem Rest sei empfohlen von dem Geld lieber asiatisch essen zu gehen.

In diesem Sinne,

patriotisches Cheerio und viel Spaß bei Eurem nächsten Film

Euer Robert

Robert
Ein Beitrag von Robert

Journalistik-Student mit Cinemacke. Erfolgloser Poet, teilbegabter Schreiberling, amateurhafter Filmemacher, schlechter Financièr, glücklich deprimierter Single, phlegmatischer Wirbelwind und fauler Wannabe-Streber.

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