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Mit der Fähre nach Helsinki

CityguideSkandinavien Reisen

Zweiter Tag. Zwei Waschlappen schifften durch Lappland. Nach sehr angenehmen 18 Stunden Schifffahrt mit Tallink Silja, kann – dem ein oder anderen – schon mal etwas schummrig in den Beinen werden. Auch die Zeitumstellung ist tückisch, zwischen Schweden und Finnland heißt es: eine Stunde vorwärts.

Finnland. Einen kleinen Vorgeschmack hatten wir ja bereits schon einmal in Frankfurt auf der Finstation, auf der wir lokales Design, Musik und Essen genießen konnten.

Markthalle Hietalahti

Nach der Fahrt über See, war der erste Stop direkt am Hafen die alte Markthalle. Das Gebäude war mit seiner bunten Fassade und der interessanten Architektur nicht zu verfehlen. Drinnen reihten sich die unbekannten Leckereien Seite an Seite. Neben den vielen Holzständen mit Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch haben sich hier auch kleine Bistros und Restaurants in der Markthalle niedergelassen, wie zum Beispiel das Kalakauppa E. Eriksson – einer sehr hochwertigen Fisch- und Sushibar. Nach der Halle ging es weiter, hinein in die Innenstadt.

Alte Markthalle

Joulumarkkinoita!

Die Luft roch nach Glögi. Weihnachtsmarkt war an der Tagesordnung! Da die Finnen die Geschichte mit dem Alkohol etwas lockerer sehen als die Schweden, war hier nun auch ordentlich Wumms dahinter. Dazu Süßgebäck – verdammt, Süßes ist in Skandinavien einfach der Knaller.

Weihnachtsmarkt Helsinki

Bedingt durch die relativ junge eigenständige Geschichte des Landes, ist das finnische Essen stark von der schwedischen und russischen Küche beeinflusst. Am Weihnachtsmarkt gab es Makkara, eine gegrillte Wurst zusammen mit Sauerkraut. Zuerst suchten wir vergeblich Senf, bis wir merkten, dass dieser bereits in großer Menge dem Sauerkraut beigemischt war. Würzig, deftig, stark. Gerade bei der Kälte, war der Mix aus Gewürzen, Kraut und der herzhaften Wurst, der perfekte Start in den Tag.

Essen in Finnland

Design Forum Finland

Die finnische Hauptstadt kann sich sehen lassen, wenn es um Kunst und Gestaltung geht. Im Design-District stolperten wir direkt in eine Kunstausstellung. Round things are boring. Das Forum ist eine Plattform für regionales Design und bietet mit seinen wechselnden Ausstellungen viel für die Augen, kein Wunder also, dass Helsinki die Welt-Designhauptstadt 2012 war.

Design und Kunst

My Favorite Things

Durch Zufall kam uns in einer Seitengasse ein einladender, kleiner Skateshop dazwischen. Im My Favorite Things wurden Klassiker auf dem NES gezockt und Decks, Skate- und Streetwear lokaler Labels verkauft.

Skatershop Streetart

Haarige Angelegenheit

Pierre musste zum Friseur, und bekam einen frischen Pierrecut. Um die Fredrikinkatu Straße reiht sich ein Barbershop an den Nächsten. Hier bekommt auch ein Tourist spontan einen Termin. Zwei sympathische finnische Damen, verpassten uns auch ohne Englisch-Kenntnisse eine Top-Frisur und einen perfekt getrimmten Bart. Frisch frisiert, konnten wir uns nun auch in eine Kirche wagen.

Barbier Friseur Helsinki

Sound of Silence

Kirche im Stein. Die Temppeliaukio-Kirche oder Rock Church befindet sich in einem Fels, das Dach ist aus Kupfer. Die imposante Architektur wurde in einen Granitfels hineingebaut. 180 Fenster umrunden die Decke, durch die Licht ins innere gelangt. Die Stimmung war sehr mystisch, fast meditativ – so, dass wir hier fast einschliefen. Nach einer großzügigen Pause ging es gleich zur nächsten Kirche.

Der zweite religiös angehauchte Stop hieß: Kamppi Chapel. Kirche der Stille. Ein Raum der absoluten Geräuschlosigkeit – mitten in der Innenstadt. Die Art von Stille, bei der man sich selbst Atmen hört. Von früh morgens bis spät in den Abend hinein findet man hier Entspannung inmitten des Trubels. Die Kapelle ist nicht für religiöse Zwecke oder Zeremonien gedacht, dennoch sind Gemeindemitglieder und Sozialarbeiter für Gespräche vor Ort. Definitiv ein Spot, den jeder einmal besuchen sollte.

Rock Church!

Zweimal Rentier, bitte!

Ja. Rudolf musste dran glauben. Aber Hej! Andere Länder, andere Sitten. Nach der Stille kam der Hunger. Wir besuchten das Lappi einem traditionell Lappländischen Restaurant. Wir bestellten das beliebteste Gericht der Lappen: Rentiergeschnetzeltes mit Kartoffelpüree und Preiselbeeren. Schlicht, einfach und lecker. Dem Schwabe hat hier die Soße gefehlt, aber wir wollen ja nicht meckern.

Traditionelles lappisches Essen

Schlaflos in Helsinki

An diesem Tag hieß es nicht Hotel, sondern zurück zur Fähre. Es ging ohne Schlaf in Finnland noch am selben Tag mit der MS Superstar Fähre weiter nach Estland.

Fähre Tallink Silja

Nächste Station: Tallin.

Johannes
Ein Beitrag von Johannes

Johannes Eich (27) Art Director und Publizist. Steht auf Gin und Altbau. Internetsüchtig im fortgeschrittenen Stadium. Wischt sich mit Hipstern den Arsch ab. Ist selbst einer.

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