Published on // By Florian

Batman Arkham Knight Review

Games

Lautlos durch die Nacht

Batman: Arkham Asylum kam aus dem Nichts und überraschte 2009 die Videospielwelt mit originellen Ansätzen und frischen Ideen. Als 2011 der preisgekrönte Nachfolger Arkham City erschien, war sich die Fachpresse klar: So haben Superhelden-Umsetzungen in Zukunft auszusehen. Das bereits tot geglaubte Genre wurde neu geboren und die Messlatte lag extrem hoch. Nachdem der dritte Ableger der Batman-Reihe Arkham Origins in fremde Hände gelegt wurde und mit zunehmender Abnutzungserscheinung nur mittelmäßige Videospielkost lieferte, hielt sich die Stimmung bedeckt. Im neuesten Teil Batman: Arkham Knight meldet sich das Gründerstudio Rocksteady zurück, um den alten Glanz wieder herzustellen. Zeit selbst Hand anzulegen. Master Bruce, übernehmen sie!

Die Stadt brennt – trotz des anhaltenden Dauerregens. Das Böse ist abermals erwacht und kämpft mit den wenig verbliebenen Polizisten um die Alleinherschafft in Gotham City. Superschurke Scarecrow ist kurz davor die gesamte Metropole mit einen Giftgasanschlag zu verseuchen und erhält neben den üblichen Vedächtigen wie Two-Face oder Poison Ivy tatkräfitige Unterstützung von einem neuen, mysteriösen Feind, dem Arkham Knight. Warum dieser Batman auf dem Visier hat, bleibt zunächst ungewiss. Sicher ist: es gibt erneut viel zu erkunden und noch viel mehr zu erledigen. Dieses Mal sogar mit Hilfe des wohl mächtigsten und kultigsten fahrbahren Untersatzes des gesamten Comicuniversums: dem Batmobil.

Batmobil PS4

Optisches und Tontechnisches Powerhouse

Wie bedeutend Stimmung und Atmosphäre sind und welchen beträchtlichen Anteil die Grafik-Engine dazu beitragen kann, ist den Entwicklern bewusst. Technisch greift Rocksteady in die Vollen und kitzelt alles aus der Unreal Engine heraus. Gleich zu Beginn kommen selbst lang erprobte Gamer aus dem Staunen über die schiere Dichte der Detailverliebtheit in Sachen Licht und Wettereffekte nicht mehr heraus. Neonfarbene Werbetafeln spiegeln sich in dreckigen Pfützen und Regentropfen prasseln auf den nass glänzenden Umhang der Fledermaus. Besonders eindrucksvoll sind die kaum erkennbaren Übergänge zwischen Render- und Spielszenen, in denen Arkham Knight den Immersionsradius im Vergleich zur Konkurrenz um ein Vielfaches hochschraubt. Störende Ladezeiten haben hier nichts mehr zu suchen. Der Spieler blickt auf ein Stadtbild-Panorama das ähnlich wie Bloodborne oder The Witcher 3 deutlich macht, wozu die aktuelle Konsolengeneration mittlerweile fähig ist, ganz zu schweigen von der grandiosen Kameraführung, welche virtuos und gleichzeitig extrem stilsicher eingesetzt wird – hier versteht jemand einiges von seinem Handwerk. Ein weiteres Plus ist die audiovisuelle Untermalung. Gerade in der deutschen Version überzeugen die aus den aktuellen Spielfilmen bekannten Sprecher wie David Nathan (Batman) oder Jürgen Thormann (Butler Alfred) auf sehr hohem, professionellen Niveau und erzeugen mit ihrer Performance ein angenehmes Gefühl von Vertrautheit.

Ich wär so gern ein Superheld

Wer die alten Teile nicht gespielt hat, könnte anfangs aufgrund der komplexen Tastenbelegung, der vielschichtigen Menüführung und des verzweigten Levelsystems etwas überfordert sein. Ständig blinken Hinweise oder Symbole auf – das Display wirkt vereinzelt sehr überladen, böse Zungen würden von Reiz- oder Informationsüberflutung sprechen. Sobald diese Hürde überstanden ist und die ersten Levelpunkte in erweiterbare Kombos, neue Gadgets oder in die verbesserte Rüstung gesteckt wurden zeigt sich das gewaltige Potenzial des Spiels auf. Das Tolle: Die Entwickler überlassen den Spielern die Freiheit über die individuelle Spielweise. Wähle die Schwierigkeitsstufe „Einfach“, hangel dich entlang der Hauptstory durch das Geschehen und genieße die Welt und deren Geschichte, ohne Kämpfe frustriert mehrfach zu wiederholen. Hier reicht es locker aus den Viereck-Button zu drücken und sich so von Gegner zu Gegner zu katapultieren. Es gibt eben aber auch die Möglichkeit zu sagen: „I am Batman.“ Hier können sich Fans der Serie richtig austoben und Gegnergruppen nach allen Fledermaus-Regeln der Kunst auseinandernehmen, um Kombo-Boni zu ergattern. Rauchbomben werfen, über Gegner hinweggleiten und Verwirrung und Angst stiften, deren Waffen klauen oder die Aufmerksamkeit durch den Wurf des Batarangs auf bestimmte Bereiche lenken, um sich dann leise von hinten anzuschleichen und lautlose Eliminierungen durchzuführen, um danach wieder ungesehen im Dunkel der Nacht zu verschwinden. Es gibt tonnenweise von Möglichkeiten und das Angenehme: Batman fliegt höher und weiter als in allen Vorgängern – dies erzeugt ein erhabenes, übermächtiges Gefühl und treibt den Spielspaß und das „Flow-Gefühl“ ins Unermessliche.

Batmobil PS4

Panzer oder Luftkissenboot?

Vierter Teil? Eine neue Spielmechanik muss her! Wie wäre es mit dem Batmobil? Genau auf diese Frage hat die sonst sehr authentische Batman-Reihe im Voraus bereits einiges an Kritik wegstecken müssen. Inwieweit soll das neue Kriegs-Geschoss moralisch zum dunklen Ritter passen, da dieser bekannterweise keine Menschen tötet. Maschinengewehre? Raketenwerfer? Voll ausgerüstet rast der Milliardär durch die viel zu eng konzipierten Gassen der virtuellen Stadt und mäht andere Vehikel, Passanten, Gegnergruppen, Laternen und Steinmauern einfach um. Kurz: Bruce Wayne zerstört seine eigene Stadt ohne Rücksicht auf Verluste. Der Kampf gegen die unbemannten Panzer und Helicopter ist aufgrund des eher mäßigen Gameplays keine wirkliche Verbesserung zu den alten Teilen. Er bietet eine kurze Ablenkung und bringt etwas frischen Wind in den gewohnten Fluss aber dennoch: Unkonventioneller und kreativer Spielspaß sieht anders aus – leider. Was durchaus Freude bringt, ist die Tatsache, dass sich das Gefährt per Knopfdruck herbeirufen lässt und die Spielfigur bei höchstem Tempo aus dem Auto herausschleudert werden kann, um dann mit vollem Speed in Richtung Nachthimmel zu gleiten.

Fazit

Abwechslungsreich, düster, spannend – Entwickler Rocksteady liefern ein qualitativ sehr hochwertiges und detailverliebtes Produkt ab, hier waren echte Fans am Werk die verstanden haben was die Figur des dunklen Ritters so faszinierend macht – die Preis-Leistungsfrage beantwortet sich von selbst. Arkham Knight ist trotz der teils leblosen Stadt, des überladenen Displays und dem gewöhnungsbedürftigen Batmobil-Gameplay die spielgewordene Fledermaus-Fantasie eines jeden Comicfans und eines der besten Spiele des Jahres. Neueinsteiger bekommen eine dramatische Geschichte mit unvorhersehbaren Wendungen, tollen Schauspielern und den bist dato größten Abenteuerspielplatz in der Superhelden-Videospielgeschichte. Das Spiel ist all das, was die Filme zuletzt nicht einfangen konnten: Der weltbeste Detektiv zu sein, mit all seinen Facetten.

Batmobil PS4

batmanarkhamknight.com

Florian
Ein Beitrag von Florian

Euphorischer Layouter und ehemaliger Einzelkämpfer. Melancholischer Cineast und Möchtegern-Filmkritiker. Dilettantischer Urlaubsfotograf, leidenschaftlicher Videospieler, optimistischer Menschenfreund, glücklich verheirateter Ehemann und nebenbei der beste Hobbyrapper Süddeutschlands.

Weitere Beiträge von Florian lesen
Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nie veröffentlicht oder geteilt.

Batman Arkham Knight