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CityLeaks Interview mit HENSE

CityLeaks Portraet

Urban Art Festival

Es ist bunt geworden in den Räumlichkeiten von „DIE KUNSTAGENTIN“. Farbenfroh präsentiert sich die Kölner Kunstgalerie von Anne Scherer während der gesamten Dauer des CityLeaks Festival und zeigt Arbeiten des international anerkannten Künstlers Alex Brewer – besser bekannt als HENSE. Der verschönert zeitgleich zum Festival in der Domstadt eine riesige Wandfläche im Kölner Veedel Mülheim und ist damit einer von unzähligen Künstlern, die zurzeit das Stadtbild der Rheinmetropole im Namen der Kunst prägen.

Für AkzoNobel Decorative Paints zogen wir als Human Cities Art Reporter los und trafen den aus Atlanta stammenden zeitgenössischen Künstler in den Räumlichkeiten seiner Galeristin zum Gespräch über seine Arbeit, das CityLeaks Festival und was Farbe für ihn bedeutet.

Hi Alex, sag mal …

1. Was steckt hinter dem Begriff HENSE?

Das Wort hat keine spezifische Bedeutung. Es ist eine Buchstabenkombination die mir so in den Sinn kam als ich 13 war. Ich suchte nach einem Namen und war von der Form fasziniert, die sich aus den einzelnen Lettern ergab.

2. An welchem Projekt vom CityLeaks Festival arbeitest du gerade?

Zurzeit arbeite ich zusammen mit der KUNSTAGENTIN in Köln für das CityLeaks Festival, an einer Wand-Installation und an einzelnen gemalten Werken für die Ausstellung. Das nächste Werk wird ein großes Mural (Wandgemälde) an einer Hauswand im Rahmen des Festivals sein.

3. Hast du früher schon einmal vom CityLeaks Festival gehört? Und falls ja, was ist dein Eindruck?

Ja, ich bin mit dem Festival vertraut. Es findet nun zum dritten Mal statt, und ich freue mich diesmal – hier in Köln – mit dabei sein zu dürfen. Ich denke es ist eine tolle und wichtige Sache so viele Künstler in der Öffentlichkeit zu kuratieren und damit mehr Kunst in die Stadt zu bringen, die frei zugänglich für jeden ist.

4. Was war bisher der größte Einfluss bzw. die größte Inspiration hinter deiner Arbeit?

Ich gehe gern ins Museum, und lasse mich von anderen Zeichnungen und Malereien inspirieren, besonders von den Werken, die bereits im öffentlichen Raum stattfinden, das begeistert mich immer wieder sehr. Zudem sehe ich mich viel in der Welt um und beobachte was gerade in der zeitgenössischen Kunst passiert. Für viele Leute steht der Begriff “Malerei” nur für Pinsel und Leinwand – aber es ist viel mehr als das. Es gibt so viele Techniken die mit viel Kreativität auf die unterschiedlichsten Art und Weisen eingesetzt werden. Reisen inspiriert mich. Vor kurzem war ich in Amsterdam und auch hier in Deutschland schöpfe ich viel Energie für meine Arbeit.

5. Wie würdest du deine Kunst jemandem beschreiben, der sie davor noch nie gesehen hat?

Ich würde es als pure Abstraktion und die Erforschung von Farbe und Form beschreiben, außerdem Mark-Making und dem Einsatz verschiedenster Materialien. Meine öffentlichen Arbeiten würde ich durch die Größe und durch die Betonung der Architektur beschreiben – und wie man sieht, arbeite ich natürlich sehr gern und intensiv mit Farbe. Für mich ist es immer wieder stark, meine leuchtend bunten Arbeiten in dieser riesigen Größe abbilden zu können, zu sehen, wie die Betrachter mit den Arbeiten interagieren, da es einen großen Unterschied gibt, ob man die Werke von Nah oder Fern betrachtet. Aber hauptsächlich würde ich meine Arbeit als abstrakt betrachten.

6. Was war das größte Gebäude oder Objekt, dass du mit einer Wandmalerei verschönert hattest? Und wie viel Zeit hat es benötigt dies zu beenden?

Ich würde sagen, das zweitgrößte öffentliche Objekt, welches ich bemalt habe, waren riesige Korn-Silos im Westen von Australien, die ungefähr 36 Meter (118 Feet) hoch waren – das dauerte über drei Wochen, aber wir hatten ein sehr gutes Team und es war großartig organisiert. Meine höchste Arbeit war das ISIL Institute in Lima, Peru in 2013. Wir bemalten eine 46 Meter (150 Feet) hohe Mauer mit zehn professionellen Malern. Wenn man in so einer Höhe arbeitet kommen ganz andere Probleme auf – Wind – und man muss sehr darauf achten, wohin man tritt. Die Wand die ich in Köln bearbeiten werde wird 25 Meter (80 Feet) hoch sein.

7. Welches deiner Projekte hat dir bisher die meiste Freude bereitet?

Ich hatte Spaß bei vielen Projekten. Weißt du, am Ende des Tages betrachte ich alle meine Arbeiten auf die gleiche Weise. Ich versuche in alle Arbeiten die selbe Menge an Passion und Leidenschaft zu stecken. Was mir allerdings die meiste Freude bereitet, sind die großformatigen Werke die im öffentlichen Raum entstehen. Die Arbeit an der Architektur, das Hoch- und Herunterfahren mit dem Lift, und dabei die Reaktion und Freude der Leute zu spüren. Zu sehen, wie sie sich über meine Kunst freuen, die ja frei und nicht im Museum steht, ist toll. Ich habe so das Gefühl, dass ich wirklich etwas in der Stadt verändern kann. Das Silo in Australien war vermutlich bisher das Beste, da es nicht in einer Stadt – sondern weit draußen auf dem Land stattfand, das war sehr interessant. Ich suche ständig nach neuen Möglichkeiten mit Architektur zu interagieren.

8. Mit welchen Materialien und Techniken arbeitest du am liebsten/meisten?

Ich benütze gern verschiedene Materialien. Gerade das Erkunden neuer Materialien macht mir Spaß. Für die Arbeit hier in der Galerie habe ich Holz geschnitten, es bemalt, teilweise auch besprüht. Im Studio experimentiere ich gern mit den unterschiedlichsten Dingen. Was die Wandmalerei an öffentlichen Gebäuden angeht, muss ich mich natürlich auf Fassadenfarben beschränken. Hier ist dann für mich das Zusammenspiel der Farben das wichtigste Element.

9. Was unternimmst du um frische Ideen zu bekommen?

Ich versuche aufgeschlossen zu sein. Viele neue Dinge zu sehen. Und immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten zu sein. Ich bin keiner der Künstler der sich auf eine Sache festschlägt. Ich werde dann schnell gelangweilt. Es ist schwierig immer frische Ideen zu bekommen. Aber wenn man konstant inspiriert bleibt, ist das möglich.

10. Letzte Frage: Wie lautet deine Definition einer kreativen Stadt?

Sehr gute, schwierige Frage. Ich komme aus Atlanta und sehe viele Städte, die sich durch deren junge Menschen weiterentwickeln. Es gibt viele Aspekte, die eine „gute“ Stadt ausmachen. Eine Stadt, die Dinge wie öffentliche Kunst, Grünflächen, eine funktionierende ÖPNV-Anbindung und eine hohe Lebensqualität bietet, zieht diese Leute an. Die Menschen, die in einer Stadt leben, machen sie zu dieser. Je kreativer die Leute, desto kreativer die Stadt.

CityLeaks Interview mit HENSE

Boyakasha, das wars. Vielen Dank für das Interview. Dir weiterhin noch viel Erfolg und schoenhaessliche Grüße.

Human Cities | cityleaks-festival.de | Fotos: Ben Hammer

Johannes
Ein Beitrag von Johannes

Johannes Eich (27) Art Director und Publizist. Steht auf Gin und Altbau. Internetsüchtig im fortgeschrittenen Stadium. Wischt sich mit Hipstern den Arsch ab. Ist selbst einer.

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